Bücher und Manuskripte
Fliegen
Meine aktive fliegerische Laufbahn begann, als ich gerade 15 geworden war, mit der Grunau 9 - dem "Schädelspalter". Diesem folgten die "Zöglinge" 33 und 35.
Es brauchte mehr als ein Jahr bis ich nach 22 Gummiseilstarts den 30 Sekunden-Flug für die A-Prüfung absolviert hatte. In der Ortsgruppe gab es viele Segelflug-Begeisterte aber jeweils nur ein Flugzeug für die Anfängerschulung.

Die "Hang-B" mit Gummiseilstart fand in Laucha an der Unstrut "auf Lehrgang" und auf SG38 statt und war eine unglaubliche Schinderei. Mehr als 10 Starts pro Tag waren nicht drin. Für eine Minute Flugzeit mussten wenigsten 5 Mann beim Rückholen des Gleiters eine halbe Stunde schuften.

Wer einmal auf Gummiseil fixiert war, der kam davon nicht weg und war damit auch bei der Schulung zur C-Prüfung benachteiligt. Nur wenn der Wind auf dem Hang stand, konnte im Aufwind geflogen werden, während die Windenflieger (die faulen Hunde) bei jeder Windrichtung starten konnten und zwischen den Starts träge "auf dem Sack" lagen.

Wenn einer von uns absoff, d.h. den Aufwind verpasste und auf den Unstrutwiesen etwa 80 Meter tiefer landen musste, dann wurde es ganz kriminell. Zum Übersetzen des "Baby" mit einer windigen Fähre über die Unstrut und zum Raubschleppen über die steile Schurre zum Start waren wenigstens 15 Mann erforderlich, und die hatten mit Hin- und Rückweg gut 2 Stunden zu tun. Das kostete den Absäufer einen Kasten Bier

Nach der C-Prüfung gab es 1940 noch einen Lehrgang in Laucha, der nannte sich Lastensegler-Vorbereitungslehrgang. Wir flogen Doppelsitzer - den Kranich und den Gö4 - immer noch per Gummiseilstart am Hang, und wir glaubten, dass wir nun alle für den militärischen Einsatz als Flugzeugführer gebucht seien. Ich landete bei den Luftnachrichten und da gab es nur den Bordfunker als fliegendes Personal. Auf dem dritten Feindflug wurde ich am 19.06.1943 abgeschossen und saß danach 6 Jahre in russischer Gefangenschaft (siehe mein Buch "Das Ziel - überleben").

Nach der Heimkehr ging in der DDR 1952 der Segelflugbetrieb weiter, und ich war dabei. Nach Wiederholung der C-Prüfung auf Baby 2b kam 1954 die Katastrophe. Flugplatzverweis aus politischen Gründen. "Parteifeinde fliegen bei uns nicht!"

Bis zur Wende 1989/90 habe ich nur außen am Zaum von Flugplätzen gestanden und in die Luft geguckt. Mein wirkliches Fliegerleben begann 1991 mit dem Erwerb des PPL B und 1992 des PPL C. Bis zur Verweigerung eines neuen Medical 2003 flog ich 500 Stunden Motorsegler und 250 Stunden reinen Segelflug (K6, K8, Astir, LS4, Diskus, ASK 21, Janus). Fuente Milanos in Zentralspanien, La Scerdanya in den Pyrenäen, Sondrio in den italienischen Alpen, der Hornberg und Burg Feuerstein brachten die Highlights meines kurzen Fliegerlebens. Meine Berichte "Fuente Milanos" und "Opa in der langen Welle" geben einen Einblick in das Innenleben eines Luftfahrtenthusiasten der sich erst mit über 70 Jahren seine größten Wünsche erfüllen konnte.

Bis heute ist mir die Lust am Fliegen nicht vergangen. Copilot ist immer noch besser als gar nicht dabei sein. Überdies bin ich - falls es einen Interessenten geben sollte - immer noch bereit, Erlebnisse aus der Frühzeit des Segelfluges zu Papier zu bringen.